Patenschaft für die Gedenkinstallation auf dem Leipziger Hauptbahnhof

Enthüllt: Installation zum Andenken an die letzten Leipziger Deportierten 1945.

Die Inschrift der Texttafel lautet:

“Am 14. Februar 1945 wurden 169 Kinder, Frauen und Männer in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es der letzte Transport jüdischer Opfer aus Leipzig.

Zum Gedenken an alle Opfer von NS- Verbrechen, die in den Jahren von 1933 bis 1945 über das Leipziger Eisenbahnnetz in Zwangs- und Todeslager verschleppt wurden.“

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf im Namen der Vereinigung der ausländischen Bürger im Freistaat Sachsen sagen, es ist uns eine Ehre die Patenschaft für dieses Denkmal übernehmen zu dürfen.

Es mag den einen oder anderen diese Patenschaft verwundern, da die Opfer, deren wir gedenken, keine Ausländer waren.

Aber es ist nicht nur von uns allen die Aufgabe, mahnend zu erinnern an ein Verbrechen gegen die Menschheit, sondern es ist uns ein besonderes Anliegen gegen Volksverhetzung einzutreten.

Der Nationalsozialismus bediente nicht einfach nur einen latenten Rassismus.

Er stilisierte mittels einer Verschwörungstheorie eine Volksgruppe hoch zum Hauptgegner. Unter diesem Vorwand und Schüren irrationaler Ängste war ein solcher Vernichtungskrieg nur möglich.

Wir müssen daher das abschreckende Beispiel des Holocaust ständig vor Augen halten, um zu verhindern, dass wieder eine Gruppe, sei es Menschen aus einem anderen Kulturkreis oder eine andere, wie die Bürger eines ganzen Staates, zum Feindbild konstruiert wird.

 

So kann es auch nicht verwundern, dass dieses Denkmal von der Leipziger Friedensbewegung initiiert wurde, als deren Bestandteil wir uns betrachten.

 

Wenn es heute um historische Verantwortung geht, will ich besonders der Gruppe der Sinti und Roma gedenken. Sie wurden sogar beim ersten Krieg der Bundesrepublik, dem Kosovokrieg, die Hauptleidtragenden. Ungeachtet dessen sollen sie in ein vermeintliches Heimatland abgeschoben werden, in dem sie nicht als Inländer akzeptiert werden und ihnen existenzielle Rechte vorenthalten werden.

Um eine Ahnung zu vermitteln, was die heutige Abschiebungspraxis bedeuten kann, ein Themenschwerpunkt unseres Vereins, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit zum Schluss auf die von uns mitgebrachte Ausstellung „auf gepackten Koffern“ lenken.

Danke